Aikido – erlernbar auch im fortgeschrittenen Alter?
"Ja, wenn ich Aikido vor zehn Jahren kennen gelernt hätte ... Aber jetzt bin ich zu alt dafür!"
So oder ähnlich denken viele, die nicht einmal den Zenit ihres Lebens überschritten haben. Aber diese Einstellung ist falsch! - jeder, der auf zwei halbwegs gesunden Beinen steht und keine schwerwiegenden Gebrechen oder organische Krankheiten hat, kann Aikido erlernen. Es gehört ein wenig Selbstvertrauen dazu. Wie weit der Weg den einzelnen führt, entscheiden Trainingsfleiß und Ehrgeiz. André Nocquet, 8. Dan Aikido - Lehrer - , hat mit über 75 noch die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hingerissen, wenn er Aikido demonstrierte. Morihei Ueshiba, der Begründer des modernen Aikido, übte unseren Sport mit weit über 80 Jahren noch täglich aktiv aus. - Aikido hat sie jung gehalten! - Aber natürlich sollte man nicht erst im vorgeschrittenen Alter mit dem Training beginnen, sondern je eher desto besser.
Was kann Aikido für die Gesundheit tun?
Das Gleichgewicht
Zwei Dinge lernt man gleich am Anfang einer Aikido-Laufbahn: festen Stand und Aufgeben der aufrechten Haltung beim Rollen. Das erste ist auch für den älteren Menschen leicht einsichtig, entspricht es doch seiner Lebenseinstellung. Aber Aufgeben einer aufrechten Haltung - Rollen kopfüber, kopfunter? Hier gilt es, eine lebenslang ein gefahrene Gewohnheit zu überwinden. Unter behutsamer Anleitung eines Lehrers und mit etwas Geduld und Ausdauer lernt es schließlich jeder; und er stellt dann verwundert fest: Gleichgewicht muss ich nicht krampfhaft halten, sondern ich kann darüber verfügen, ja, ich kann sogar damit spielen! Und aus diesem Können erwächst ein Gleichgewicht, das ungleich höher einzuschätzen ist als körperliche Statik: Das innere Gleichgewicht! Man braucht nun keine Angst mehr zu haben vor einem plötzlichen Sturz oder einer rüden Rempelei, denn man ist ja in der Lage, gefährliche Folgen durch relativ sanftes Abrollen zu vermeiden. Das gibt Sicherheit.
Gesunde Bewegung:
Muskeln, die nicht benutzt werden, verkümmern; Gelenke, die man nicht täglich bewegt, "rosten ein", werden steif. Bewegung ist lebenswichtig! Aber die Bewegung muss harmonisch sein und der Physiologie des Körpers entsprechen. Aikido hat weiche und runde Übungsformen, die bei größtmöglicher Schonung von Muskeln und Gelenken ein Höchstmaß an harmonischer Bewegung bieten. Aikido ist eine Sportart für den ganzen Körper, bei der der Ausübende
Belastung, Tempo und Intensität selbst bestimmt. Dabei kommt es zu einer verstärkten Durchblutung aller Muskelgruppen. Die sanften Aikido-Rollen wirken stabilisierend auf den Kreislauf. Körperliche Fitness wird aufgebaut und bis ins hohe Alter erhalten. Das Reaktionsvermögen wird ebenso gefördert wie die Koordination unterschiedlicher Handlungsabläufe. Durch gezielte Atemgymnastik wird zudem wohltuend auf emotionale Bereiche Einfluss genommen.
Jung bleiben durch Kontakt mit jungen Menschen
Seniorengruppen sind in vielen Sportarten unerlässlich. Ein 30jähriger Fußballspieler kann gerade noch bei den „alten Herren" mitmischen. Anders beim Aikido! Hier gibt es keine Trennung zwischen jugendlichen „Leistungssportlern" und „ausgedienten Senioren". Dafür gibt es gute Gründe:
Aikido ist kein Wettkampfsport, das bedeutet, jeder will nur sein eigenes Können vervollkommnen.Jeder trainiert mit jedem. So lernt der junge Mensch vom älteren Ruhe und Gelassenheit, der ältere Spontanität und Elan von der Jugend.Jeder achtet seinen Partner, denn er ist auf die Hilfe des anderen angewiesen.Niemand macht sich über Fehler seiner Trainigspartner lustig, denn jeder kennt die Schwierigkeiten des Anfängers, aber jeder hat auch auf seinem Weg selbst immer wieder Neues zu lernen.
In einer so aufgebauten Gemeinschaft erfährt der ältere Mensch Achtung. Dass man noch dazu wirksame Selbstverteidigungstechniken erlernt, gibt Sicherheit in vielen Alltagssituationen und steigert das Selbstvertrauen.
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